die preisträger der 31. duisburger filmwoche

Der 3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:

Zuoz
von Daniella Marxer (Österreich/Frankreich, 2007)

Zuoz

Begründung:
Daniella MarxerDie Ausübung von Macht will gelernt sein, und wie kann sie effizienter gelernt werden als in einem System der ständigen Kontrolle. Wer begreift hier nicht, was Macht ist und warum er später über sie verfügen will. Eine abgeschlossene, fast von der Umwelt isolierte Internatswelt für den Nachwuchs der globalen Wirtschaftselite: Die teilnehmende Beobachtung findet ihren Rhythmus im Ablauf von Unterricht und Freizeit, die gleichermaßen reglementiert sind. Der Mikrokosmos wird in eindringlichen Szenen und Bildern analysiert, die eine Bandbreite an Widerstandsgesten und Anpassungsmechanismen aufscheinen lassen. Im Lyceum Alpinum ist Unterwerfung von geschmeidigeren Erziehungsmethoden abgelöst worden. Die nachhaltige Wirkung des Films besteht nicht zuletzt darin, dass das moderne Internat als Modell für die Unternehmensführung sichtbar wird.

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Der ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:

Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland
von Frank Wierke (Deutschland, 2007)

Michael Hamburger – Ein englischer Dichter aus Deutschland

Begründung:
Frank WierkeEin altes englisches Haus, ein verwilderter Garten mit aussterbenden Apfelsorten. Und der alte Dichter Michael Hamburger, der im alltäglichen Kleinkrieg mit wucherndem Grünzeug, angesammelten Erinnerungen und fortschreitender Gebrechlichkeit ringt. Die zärtliche Kamera von Regisseur Frank Wierke folgt ihm zwischen Sofa und Abstellkammer, Billard im TV und Briefkasten. Wie Hamburgers Gedichten gelingt es dabei auch dem Filmemacher, aus dem Nahblick auf die konkreten Dinge eine ganze Welt zu erschaffen. Er schafft das fast Unmögliche: Poesie ohne jeden Kitschverdacht in Dokumentarfilm zu verwandeln. „Ich geh mir jetzt Tee machen“, sagt Michael Hamburger am Schluss des Films. Wir finden, ein Film der so endet, muss einen Preis bekommen.

 

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Der Förderpreis der Stadt Duisburg, dotiert mit 5.000 Euro, geht an:

The Halfmoon Files
von Philip Scheffner (Deutschland, 2007)

The Halfmoon Files

Begründung:
Philip ScheffnerEine körperlose Stimme steht am Beginn eines Films, der der Stimme einen Körper, dem Körper ein Bild und dem Bild eine Biografie geben will. Als Zuschauer ist man in eine Suche eingebunden, die in Wünsdorf nahe Berlin beginnt und in Indien zu keinem Ende gelangt. Der Autor arbeitet sich durch historisches Material, ohne die vorhandenen Lücken zu übertünchen: Ein Inder kämpft im Ersten Weltkrieg in der britischen Armee, gerät in deutsche Gefangenschaft und wird zum Forschungsobjekt deutscher Rassenideologie. Ton- und Bildebene sind wunderbar komplex miteinander verzahnt – der Zuschauer hört plötzlich Stimmen und sieht Geister. Die Recherche einer Fußnote der Geschichte wird so zur Erzählung über die Schwierigkeit, historische Wirklichkeit zu rekonstruieren – so überlegt wie vielschichtig, so witzig wie klug.

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Der Dokumentarfilmpreis des Goethe Instituts geht an:

The Halfmoon Files
von Philip Scheffner (Deutschland, 2007)

The Halfmoon Files

Begründung:
Philip ScheffnerDer Film spielt auf eindrucksvolle Weise mit unseren Seh- und Hörgewohnheiten. Durch den Einsatz verschiedener Medienformen ist ein lakonischer, vielschichtiger, essayistischer Film entstanden, der uns einen neuen Blick auf Fragmente der Geschichte erlaubt. Er deckt Lücken in der Geschichtsschreibung auf und eröffnet neue Perspektiven für die Wahrnehmung des Festgeschriebenen. Durch die originellen Verknüpfungen von Archivmaterial und Spurensuche werden aus den Geistern der Geschichte höchstlebendige Protagonisten unserer eigenen Reflexion.

Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Zudem wird der Film angekauft, untertitelt und den Goethe-Instituten weltweit für ihre Filmarbeit angeboten.

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Der Publikumspreis der Rheinischen Post für den beliebtesten Film,
dotiert mit 1.000 Euro, geht an:

Sieben Mulden und eine Leiche
von Thomas Haemmerli (Schweiz, 2007)

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