46. Duisburger Filmwoche - doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche #21 - 7. bis 13.11.2022

News

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Neue Auswahlkommission für die Duisburger Filmwoche / Beginn der Einreichungen

28. April 2022

Gemeinsam mit der Einladung zur Filmeinreichung stellt die Duisburger Filmwoche eine neue Auswahlkommission vor. Annette Brauerhoch, Mischa Hedinger, Dominik Kamalzadeh, Therese Koppe, Meike Martens und Aurora Rodonò werden zusammen mit Festivalleiter Alexander Scholz alle Arbeiten sichten und durch ihre Auswahl das Programm und damit das Profil der Filmwoche gestalten.

Die Kommissionsmitglieder nähern sich dem Dokumentarfilm aus verschiedenen Kontexten der Vermittlung oder der filmischen Praxis, und bringen so vielfältige Perspektiven in die Sichtungsarbeit ein. Annette Brauerhoch besuchte als Professorin für Filmwissenschaften der Universität Paderborn regelmäßig mit ihren Studierenden die Duisburger Filmwoche. Sie forscht zu dem Schwerpunkt Publikumstheorien und ist Mitherausgeberin der feministischen, filmtheoretischen Zeitschrift „Frauen und Film“. Die Kulturarbeiterin, Kuratorin und Dozentin Aurora Rodonò arbeitet häufig an der Schnittstelle zwischen Migration, Antirassismus und Kino bzw. Kunst. In Köln ist sie unter anderem Diversity-Managerin im Rautenstrauch-Joest-Museum und Mitglied im „Filmclub 813“. Dominik Kamalzadeh, Filmkritiker und Kulturredakteur der Wiener Tageszeitung DER STANDARD, begleitet die Duisburger Filmwoche seit vielen Jahren journalistisch. Von 2006 bis 2008 war er außerdem als Juror Teil der 3Sat-Jury. Die Berliner Filmemacherin Therese Koppe wurde 2019 mit ihrem Abschlussfilm IM STILLEN LAUT (DE 2019), dem Porträt eines Künstlerinnenpaares und des Kunstschaffens in der DDR, in Duisburg mit dem Publikumspreis prämiert. Der Schweizer Filmemacher Mischa Hedinger zeigte auf der Duisburger Filmwoche 2013 seinen Film ASSESSMENT (CH 2013) über Wiedereingliederungsmaßnahmen in den Schweizer Arbeitsmarkt und wurde erster Preisträger des „Carte Blanche“ Nachwuchspreises des Landes NRW. Die Filmproduzentin und Dozentin Meike Martens war mit ihrer Produktionsfirma Blinkerfilm häufig zu Gast auf der Filmwoche. So waren zuletzt RIFT FINFINNE (DE 2020) von Daniel Kötter und GANZE TAGE ZUSAMMEN (DE 2019) von Luise Donschen zur 44. Duisburger Filmwoche 2020 eingeladen.
Ausführliche Informationen finden Sie in den Biographien hier.

Ab sofort beginnt auch die Einreichung für Beiträge zum Programm der 46. Duisburger Filmwoche. Filmemacher:innen sind herzlich eingeladen, ihre Filme hier einzureichen. Gängige Praktiken der Repräsentation, ausgelatschte Narrative und Bildpolitiken infrage stellend, begreift sich die Filmwoche als Ort für den risikofreudigen Dokumentarfilm, seine Diskurse und sein Archiv. Dem Raum des Kinos, der Kraft und der Vielfalt des Dokumentarischen vertrauend, freut sich das Festival auf die Arbeiten, die es erreichen werden. Details zum Reglement können hier eingesehen werden. Die Einreichungsfrist endet am 26. August 2022.

Die Auswahlkommission wird mit den ersten Sichtungen Anfang Juni beginnen und bis September das Programm zusammenstellen. Dabei freut sich das Team der Duisburger Filmwoche, dass diese nach zwei reduzierten Ausgaben erneut im gewohnten Modus einer gesamten Festivalwoche stattfindet und deshalb wieder mehr Filme ausgewählt werden können. Vom 7. bis 13. November 2022 werden die Besucher:innen der Duisburger Filmwoche schließlich die Auswahlkommission als Gastgeber:innen der Filmgespräche kennenlernen, wenn diese die im Anschluss an jeden Film stattfindenden Diskussionen moderieren.

NRW-Dokutag am 4. Mai in Köln

27. April 2022


WE ARE ALL DETROIT (DE 2021)

Die Duisburger Filmwoche ist Kooperationspartner beim NRW-Dokutag, der am 4. Mai von der Film- und Medienstiftung NRW in Zusammenarbeit mit dem Creative Europe Desk NRW veranstaltet wird. In der Kölner Wolkenburg diskutieren Expert:innen Entwicklungen in Produktion und Auswertung non-fiktionaler Projekte; Case Studies geben Einblicke in aktuelle Produktionen und legen dabei den Fokus auf Doku-Serien. Im Anschluss wird das 21. Gerd Ruge Stipendium vergeben. Am Abend findet ein Screening von „We Are All Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“ von Ulrike Franke und Michael Loeken statt, der bei der 45. Duisburger Filmwoche im November zu sehen war.

Weitere Partner sind das Filmbüro NW, die Deutsche Filmakademie, die AG DOK, und der Film- und Medienverband NRW.

Eine Anmeldung ist noch bis 2. Mai möglich.

Zur Anmeldung und zum Programm des Filmkongresses

In Rücksprache – Dokumentarische Arbeiten aus Geschichte und Gegenwart
20. bis 22. Januar 2022 im Kino Arsenal in Kooperation mit der Duisburger Filmwoche

19. Januar 2022

JETZT ODER MORGEN
© Takacs Filmproduktion, Steinbrecher

Filme dem Dialog anvertrauen, Bilder diversen Perspektiven ausliefern, Diskurse archivieren und lebendig halten – dieser emphatische Anspruch der Duisburger Filmwoche und des Arsenals fungierte als Impulsgeber dieses gemeinsamen Programms. Neuere Arbeiten, die bei den jüngsten Ausgaben des renommierten Festivals für Dokumentarfilm aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gezeigt wurden, werden an drei Abenden mit älteren Beiträgen aus der 45-jährigen Geschichte des Festivals in Bezug gesetzt.
Zu sehen sind Filme, die sich Menschen, Milieus und Stimmungslagen widmen, für die nur wenige oder allzu stereotype Bilder zirkulieren: Arbeiten, die sich den Umständen aussetzen und sich ihren Protagonist:innen zuwenden. In der Korrespondenz der ausgewählten Filme verdichten sich Eindrücke autobiografischer Erkundungen und vermeintlich abseitiger oder marginalisierter Lebensentwürfe und Gefühle. Dabei formuliert jede Arbeit ihre eigene Bildsprache. Die Kombination von historischen und aktuellen Filmen stiftet unerwartete Verbindungen und lässt neue Eindrücke in dem Raum entstehen, den die zeitliche Distanz zwischen den Filmen lässt. 
Während die Duisburger Filmwoche jedes Jahr im November einen Ort für engagierte Debatten zwischen Filmemacher:innen und Publikum schafft, begegnen sich im Rahmen von „In Rücksprache” die Bilder selbst in Rede und Gegenrede. Wird in Duisburg das Gespräch stets mit geschrieben und im Protokollearchiv des Festivals protokult.de festgehalten, ist die Recherche in diesem Archiv nun Ausgangspunkt neuer, filmischer Dialoge – damit sich die Bilder gegenseitig anreichern und Wege zueinander finden können, die noch nicht kartografiert sind.

Programm

Donnerstag, 20.1.2022

19.00 Uhr
Einführung: Alexander Scholz, Im Anschluss Gespräch mit Jan Soldat
WOHNHAFT ERDGESCHOSS (R: Jan Soldat, DE/AT 2020, 48', Berliner Premiere)
Durch seine zugestellte Wohnung bewegt sich die drastische körperliche Präsenz des Protagonisten. Heiko empfindet derweil sein Leben als zugestellt. Seine Mutter will er lieber nicht mehr treffen, die Vergangenheit war schlecht zu ihm. „Wäre die verdammte Wende nicht gekommen, hätt' ich noch Arbeit” sagt er trotzig – und pinkelt nackt auf den Boden. Machen im Netz viele, gibt es Videos von. Deshalb macht auch Heiko Bilder von sich selbst. Jan Soldats Bilder von Heiko verweben sorgsam dessen Körpergeschichte mit inneren und äußeren Zeitgeschichten, mit unterdrückter Aggression und gelegentlicher Erleichterung.

21.00 Uhr
DAS BLEIBT, DAS KOMMT NIE WIEDER (R: Herbert Schwarze, DE 1989, 81')
Sexualität, Familiengeschichte, politisches Zeitgeschehen – DAS BLEIBT, DAS KOMMT NIE WIEDER von Herbert Schwarze webt diese Sujets in einem „Dokumentarfilm, der keiner mehr ist” zusammen, wie er 1992 im Katalog der Filmwoche bemerkt. In dieser Arbeit wird individuelles Trauma und kollektives Gedächtnis, geschält aus 60 Jahren Filmgeschichte, in der Biografie der Mutter weniger enggeführt als assoziiert. Im Zentrum steht dabei, wie bei Jan Soldat, der Körper als Objekt sozialer Projektionen: Gedächtnisbilder zwischen Nazikitsch und Nachkriegsschuld legen sich auf den Körper einer Frau, die keine sein will. Der Rahmen ihrer biografischen Erzählung ist so von Bildern beengt wie Heikos Wohnzimmer mit Apparaten zur Bildproduktion.

Freitag, 21.1.2022

19:30 Uhr 
Einführung: Jan Künemund
PICNIC AT HANGING ROCK (R: Naama Heiman, DE 2021, 45')
In diesem Film geht Naama Heiman auf die Suche nach einem Sujet für ihren Film und findet überall ihren Mitbewohner Biniam. Eine Obsession. Er entzieht sich dem Bild, verschanzt sich in der gemeinsamen Wohnung hinter verschlossenen Türen. Die Nachbarn im bräsigen Köln-Bickendorf nutzen den Lockdown, um die Markisen ihrer Wintergärten zu saugen. Heiman sortiert derweil analoge Bilder vergangener Zweisamkeit und lauert im Flur auf eine Begegnung. Ein Tagebuch der Hermetik und der Asymmetrie: Die Tauben auf dem Balkon paaren sich pragmatisch, die Filmemacherin liebt auf Entzug.

21.00 Uhr
DEZEMBER, 1-31 (R: Jan Peters, DE 1998, 93')
Um eine nervöse Kontaktaufnahme in Tagebuchform bemüht sich Jan Peters in DEZEMBER, 1–31. 31 Filmrollen lang entsteht eine erratische Trauerarbeit, die dem verstorbenen Freund Grobi gewidmet ist und ganz materialistisch gegen das Vergessen vorgeht. Wie in Heimans Film mischt sich bitterkomische Selbstironie in den verzweifelten Umgang mit Abwesenheit. Tagebücher werden jeweils als Medien des Eigenbedarfs erfahrbar: Das ihnen Anvertraute ist für Dritte nicht immer gleich lesbar. Doch wo Heiman von sich absieht, um Sehnsucht zu formulieren, nimmt sich Jan Peters Raum zur assoziativen Selbstreflexion: Während er auf der Suche nach Zeichen und Botschaften seine alltägliche Umwelt beschwört, vermag Heiman den Eindruck ihres Mitbewohners nicht einmal dann abzuschütteln, als sie nach Tel Aviv zu ihren Eltern flüchtet.

Samstag, 22.1.2022

19.00 Uhr
Einführung: Pary El-Qaliqili
JETZT ODER MORGEN (R: Lisa Weber, AT 2020, 89')
Die letzte Paarung beginnt mit JETZT ODER MORGEN von Lisa Weber. Ihre Protagonistin Claudia singt bei bescheidenen Familienfeiern „When You Believe” von Whitney Houston und Mariah Carey, während der niederträchtige Optimismus des Schmalzhits sie längst nicht mehr zu überzeugen vermag. Die junge Mutter ohne Schulabschluss und Job erwartet von ihrer Zukunft nur noch das Schwererwerden der Last ihrer prekären Verhältnisse. Sie streichelt ihren Sohn, an dem ihr neuer Freund ungeduldig verzweifelt, döst mit der wachenden Hand auf dem Kinderschopf, ohne danach einen Grund zu finden aufzustehen.

21.00 Uhr
ICH DENKE OFT AN HAWAII (R: Elfi Mikesch, BRD 1978, 85')
In ICH DENKE OFT AN HAWAII von Elfi Mikesch trotzen tropische Harmonien dem Habitus. Ideen und Klänge ferner Idyllen sind alles, was der Vater, ein puerto-ricanischer US-Soldat, seiner Tochter hinterlassen hat. Die 15-jährige Carmen sitzt in ihrem engen Zimmer und klagt, die Arbeit ihrer Mutter als Putzkraft sei ihr zu eintönig. Mikesch komponiert neonbunte Eimer und Handschuhe, die aus dem Wischmopp das Wasser wie aus dem Klassenbild den Paternalismus wringen. Dabei poliert sie das Dokumentarische, bis ein Stück trübe BRD-Gegenwart aus ihm aufblitzt: Während Claudia in JETZT ODER MORGEN dokumentarische Vertragspartnerin und Empfängerin aufrichtiger Empathie ist, glänzt Carmens Haar und Gesicht wie das frisch gewaschene Porzellan, das sie in einer winzigen Küche einem ästhetisierten Schaumbad enthebt. Solidarität mit ihren jungen Protagonistinnen eint die beiden Filme genauso wie das Bewusstsein sozialer und geschlechterpolitischer Härten.

Neue Leitung für Duisburger Filmwoche

14. Januar 2022

Alexander ScholzAlexander Scholz wird neuer Leiter der Duisburger Filmwoche. Scholz war bereits 2021 interimsweise als Festivalkurator mit der Umsetzung der 45. Duisburger Filmwoche betraut. Er wird nun die Leitung bis Ende 2023 übernehmen.

Oberbürgermeister Sören Link bekräftigt die Entscheidung: „Bei Alexander Scholz wissen wir aufgrund seiner Sachkompetenz und Leidenschaft für die Duisburger Filmwoche dieses einzigartige Filmfestival als weit über Duisburg hinaus strahlende Veranstaltung in sehr guten Händen.“

Kulturdezernentin Astrid Neese freut sich, dass die Filmwoche in diesem und nächsten Jahren wieder die Handschrift von Alexander Scholz trägt: „Alexander Scholz hat schon in 2021 bewiesen, dass er in der Tradition der Filmwoche verwurzelt ist und gleichzeitig die Weichen für eine vielversprechende Perspektive in der Zukunft stellen kann.“

Der neue Festivalleiter bedankt sich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen: „Die Filmwoche ist ein Festival mit einer besonderen Haltung zu den Räumen, in denen es das Sehen und Sprechen ermöglicht, und zu der Filmgeschichte, die es währenddessen selbst mitprägt. Den öffentlichen Diskurs über Dokumentarfilm in Duisburg weiter zu initiieren und neu anzuregen, ist eine Aufgabe, der ich mit Freude entgegenblicke.“

Die Duisburger Filmwoche bleibt weiterhin in der Volkshochschule Duisburg verankert. Der Leiter der VHS, Volker Heckner, unterstreicht nicht nur die kulturelle, sondern auch die bildungspolitische Bedeutung des Festivals für Duisburg: „Ich bin sicher, dass die Filmwoche unter der Leitung von Alexander Scholz in besonderem Maße lokale Ansprache und internationale Relevanz vereinen kann.“

Alexander Scholz ist seit 2015 Teil der Duisburger Filmwoche und war als Pressereferent, Redakteur und Programmgestalter für das Festival tätig, bevor er das Festival 2021 als Kurator leitete. Er ist Herausgeber und Redakteur des Bandes „AusSichten. Öffentliches Reden über Dokumentarfilm“ (2017, hrsg. mit Werner Ružička) und leitete die Neugestaltung von protokult.de, dem Online-Archiv der Duisburger Protokolle. Scholz war als Autor und Redakteur für verschiedene Kulturinstitutionen in NRW tätig, u.a. die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und die Akademie der Künste der Welt Köln. Er arbeitet seit 2018 mit dem Filmforum im Rahmen des Filmprogramms der Duisburger Akzente zusammen und ist seit 2019 Dozent an der internationalen filmschule köln (ifs).

Die 46. Duisburger Filmwoche findet 2022 wieder sieben Tage lang, vom 7. bis 13. November 2022, statt.