46. Duisburger Filmwoche - doxs! dokumentarfilme für kinder und jugendliche #21 - 7. bis 13.11.2022

Festival/Preisträger:innen der 45. Duisburger Filmwoche 2021

3sat-Dokumentarfilmpreis

Der mit 6.000 Euro von den vier Partnern des Gemeinschaftsprogramms ZDF, ORF, SRG und ARD dotierten 3sat-Dokumentarfilmpreis, überreicht durch Natalie Müller-Elmau, Koordinatorin 3sat, geht an

Girls | Museum
von Shelly Silver | DE 2020 | 71 Min.

Girls | Museum von Shelly Silver Shelly Silver, Foto: © Christoph Terhechte

Begründung der Jury:
Fünfzehn Mädchen kommentieren Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten. Grimmige Männer, halbnackte Frauen – Gewalt, Macht, Begehren, Verführung, Unschuld. Die Idee ist simpel: Die Mädchen vermitteln die Kunst und lenken unseren Blick. Der Film dokumentiert diesen Prozess. Die Mädchen haben individuelle Zugänge zur Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit und reagieren jeweils anders auf die Macht der Bilder. Dabei artikulieren sie auch ihre eigenen Geschichten. Die Mädchen sind zwischen sieben und neunzehn. Ihre Interaktion wird auch dadurch zu einer feministischen Auseinandersetzung mit tradierten Körper- und Rollenbildern, weil sie aus der Perspektive der weiblichen Adoleszenz auf die Bilder blicken. Über Kadrierung, Rhythmus und Montage findet der Film eine Form, die uns an diesem Prozess teilhaben lässt. Für uns war das eine verblüffende, aufregende und erkenntnisreiche Erfahrung.

Shelly Silver gelingt mit GIRLS | MUSEUM eine sensible und hochkomplexe Auseinandersetzung mit Hierarchien, die eingeschrieben sind in die Kunst, ihre Betrachtung und ihre Vermittlung.

14. November 2021, die Jury: Michael Baute, Gabriele Mathes, Julia Zutavern

 

ARTE-Dokumentarfilmpreis

Der mit 6.OOO Euro dotierte ARTE-Dokumentarfilmpreis, überreicht durch Dr. Markus Nievelstein, Geschäftsführer von ARTE Deutschland und ARTE-Koordinator der ARD, geht an

Uncomfortably Comfortable
von Maria Petschnig | USA, AT 2021 | 72 Min.

Maria Petschnig

Begründung der Jury:
Ein begrenzter Raum, in dem der Blick zwangsläufig nach vorne geht. In ihm treffen zwei Menschen aufeinander, deren Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein könnten.

„Für dich ist es ein Projekt, für mich ist es mein Leben“ sagt Marc Thompson. Der afroamerikanische Mann ist wohnungslos und lebt seit einiger Zeit in seinem Auto in den Straßen von New York. Maria Petschnig ist Filmemacherin, weiß und wohnt in Brooklyn. Aus dieser asymmetrischen Situation entsteht die Abmachung für einen Film.

„Uncomfortably Comfortable“ zeigt den Protagonisten bei seinen alltäglichen Abläufen, denen er so organisiert, bedacht wie würdevoll nachgeht. Dabei wird in der gegenseitigen Annäherung das Verhältnis von Nähe und Distanz stetig neu definiert.

Thompson lässt die Filmemacherin in seine Welt hinein, sie wiederum gibt ihm den Raum, die Erzählung seines scheinbar selbstgewählten Nomadentums zu formulieren. Persönliche Schicksalsschläge und Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus und Polizeigewalt werden dabei nicht zu einfachen sozialen Erklärungsmustern für ein Leben am Rande der Gesellschaft. Vielmehr sind sie Teil eines vielschichtigen Portraits.

Die Distanz, die essentiell ist als schwankender Grund, auf dem Begegnung vielleicht möglich ist, übersetzt Petschnig gekonnt in eine filmische Form. Ein bewusster Umgang mit totalen Einstellungen, fragmentierten Nahen, die punktuelle Konzentration auf die akustische Erzählung und die Präzision in der Montage ermöglichen einen gleichsam affizierten wie reflektierten Zugang zum Film.

Aus der zufälligen Begegnung wird eine gemeinsame Bewegung, aus dem anfänglichen Filmprojekt eine geteilte Erfahrung, die uns in ihrer Dringlichkeit berührt.

14. November 2021, die Jury: Esther Buss, Christian Popp, Luise Donschen 

 

Preis der Stadt Duisburg

Der mit 5.OOO Euro dotierte Preis der Stadt Duisburg für kurzen und mittellangen Dokumentarfilm, überreicht durch Bürgermeister Volker Mosblech, geht an

Lydia 
von Christian Becker | DE 2021 | 22 Min. 

Lydia von Christian Becker, Copyright fieldRecordings Christian Becker

Begründung der Jury:
Aus dem Super-8-Archiv eines Ehepaars hat der Regisseur mit bedachter Auswahl einen Diamanten geschliffen über das Private. Wir lernen beide kennen als intellektuelle Neurotiker und Genießer, gleichzeitig bleiben sie für uns auf ungesehene Art geheimnisvoll. Das Beobachten zweier, die sich beobachten, schafft die überraschende und originelle Abbildung ehelicher Intimität.

14. November 2021, die Jury: Jenny Billeter, Samira El Ouassil, Rainer Knepperges

 

„Carte Blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW

Der mit 5.OOO Euro dotierte „Carte Blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW geht an

Augusts Orte
von Valérie Pelet | AT 2021 | 41 Min.

Augusts Orte von Valérie Pelet, Copyright Valérie Pelet Valérie Pelet

Begründung der Jury:
Mit konzeptioneller Klugheit und Lakonie verwebt die Filmemacherin sichtbare und unsichtbare Spuren. Ihr leidenschaftlicher Umgang mit dem 16-mm-Material und die trügerische Sanftheit des Voice-overs machen Überlagerungen von Geschichte spürbar, in welchem die Regisseurin Zusammenhänge zwischen dem flirrenden Sommer, unbekümmertem Urlaub, kriegerischen Handlungen und surrealen wie existenziellen Migrationserfahrungen evoziert.

Der Preis soll Ansporn sein, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Das Potenzial, das der Siegerfilm zeigt, soll weiter ausgeschöpft werden. Die Preisträgerin wird dabei durch ein Mentorat unterstützt und soll beim nächsten Projekt von einem erfahrenen Filmemacher oder einer erfahrenen Filmemacherin begleitet werden. 

 

Publikumspreis der Rheinischen Post

Der mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis der Rheinischen Post für den beliebtesten Film des Festivals, überreicht durch Peter Klucken, geht an

Nicht verRecken
von Martin Gressmann | DE 2021 | 110 Min.

Nicht verRecken von Martin Gressmann

14. November 2021, die Jury: Rosie Menges, Petra Müller, Kurt Große-Gehling, Marianne Neumann