die preisträger der 30. duisburger filmwoche

Der 3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:

Hamburger Lektionen
von Romuald Karmakar, Deutschland, 2006, 133 Minuten

Begründung:
Eine reduzierte Versuchsanordnung, in der die Aufmerksamkeit auf keine dramatisierte Aktion, sondern auf die Binnenlogik einer Rede und die Dynamik einer sozialen Situation gerichtet ist. Was dabei anschaulich wird, sind die rhetorischen Muster und Strategien eines Predigers, die Überzeugungsarbeit leisten und Gefolgschaft fordern. Durch die inszenatorische Nüchternheit und die Souveränität des Redners – ein Schauspieler liest den Text in einem sparsamen Arrangement – zieht der Film den Zuschauer in seinen Bann und ruft dabei eine ambivalente Reaktion zwischen Faszination und Ablehnung hervor: Wir hören, was wir bisher nicht hören konnten, wir folgen einem Denken, das mitten unter uns propagiert wird. Der diesjährige 3sat-Dokumentarfilmpreis geht an Romuald Karmakar für Hamburger Lektionen.

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Der ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm, dotiert mit 6.000 Euro, geht an:

Il Palazzo
von Katharina Copony, Deutschland/Österreich, 2006, 45 Minuten

Begründung:
Der von der ARTE-Jury prämierte Film dokumentiert städtische, architektonische, soziale, politische und individuelle Räume. Damit eröffnet er – und darin sehen wir seine besondere Qualität – einen eigenen gedanklichen Raum für den Betrachter.
Es geht um einen beeindruckend-monströsen Wohnkomplex vor den Toren Roms. Über dessen Dokumentation hinaus inszeniert der Film in großer atmosphärischer Dichte das Wohnsilo als eigenständigen Protagonisten. Das Gebäude bekommt gewissermaßen eine Stimme: Sie erzählt auf visuell und akustisch reiche Weise von Einzelschicksalen, von urbaner Planungspolitik, von sozialen Missständen – ohne der Architektur deshalb ihre Faszination abzusprechen. Gerade diese wird zur Herausforderung an die Fantasie und Energie der Bewohner, sich den monumentalen Palast anzueignen.
Der ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm geht an
Il Palazzo von Katharina Copony.

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Der Förderpreis der Stadt Duisburg für den besten Nachwuchsfilm, dotiert mit 5.000 Euro, geht an:

Balkan Champion
von Réka Kincses, Deutschland, 2006, 89 Minuten

Begründung:
Eine Familiengeschichte, die untrennbar mit der politischen Geschichte eines Landes verknüpft ist. Die Tochter, zugleich Autorin des Films, begibt sich auf eine Spurensuche. Archivmaterial, summarische Inserts, ein persönlich gehaltener Off-Kommentar und bewegte Szenen aus dem Familienalltag verbinden sich zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Für diese gibt es so viele Lesarten wie Beteiligte. Davon bleibt auch das Filmprojekt nicht unberührt: Die Ausrichtung der Autorin und ihre Perspektiven auf die Eltern ändern sich. Mit Witz sowie erfrischender Direktheit kombiniert der Film diverse Verfahren der Wahrheitsfindung und erhält bis zuletzt die Spannung aufrecht. Der Förderpreis geht an Balkan Champion von Réka Kincses.

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Der Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts geht an:

Die Unzerbrechlichen
von Dominik Wessely, Deutschland, 2006, 92 Minuten

Begründung:
Der Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts geht in diesem Jahr an einen Film, der sich durch eine klare formale Struktur und eine vielschichtige Erzählweise auszeichnet.
Er ist humorvoll, ohne ins Ironische zu verfallen, poetisch, ohne kitschig zu sein und fesselt, ohne inszeniert zu wirken.
Auf der Erzählebene wird aus unterschiedlichen Lebenswelten eine stimmige Handlung komponiert. In diesem Rahmen agieren die Protagonisten beeindruckend offen und authentisch.
Auf der Bildebene wechselt der Film harmonisch zwischen einer bewegten dokumentarischen und einer ruhenden kunstvollen Kameraführung. Erzähl- und Bildebene werden dabei von einer stilsicher eingesetzten Musik unterstützt.
Die heutige Arbeitwelt ist durch den Verlust von sozialen Bindungen und ökonomischen Sicherheiten gekennzeichnet. In diesem allgemeinen Trend lassen sich auch andere Geschichten finden. Dies gelingt in einer durchweg positiven Haltung dem Film Die Unzerbrechlichen.
Wir gratulieren dem Filmemacher Dominik Wessely und seinem Team für einen Film, der Mut macht.

Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Zudem wird der Film angekauft, untertitelt und den Goethe-Instituten weltweit für ihre Filmarbeit angeboten.

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Der Publikumspreis der Rheinischen Post, dotiert mit 1.000 Euro,
geht an:

Balkan Champion
von Réka Kincses, Deutschland, 2006, 89 Min

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